Obstbaumblüte 2021

Auch 2021 wird das alljährliche Blütenfest zur Saisoneröffnung in der Streuobstregion Hohenleipisch-Döllingen, nicht stattfinden können. Mit der diesjährigen Obstbaumblüte und den Bemühungen um den Erhalt der Niederlausitzer Streuobstlandschaft verbindet sich der im Jahr 2000 angelegte Pomologische Schau- und Lehrgarten in Döllingen, in dem für gewöhnlich gutbesuchte Veranstaltungen wie das Blütenfest und der Niederlausitzer Apfeltag sowie Seminare und Führungen zur Streuobstkultur angeboten werden.

400 seltene und besondere Züchtungen der Hauptobstarten Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume sowie Nüsse und Wildobst wachsen hier. Am lebenden Beispiel wird hier die Entwicklung der Obstbäume von ihrer Wildform bis hin zu den neuesten Züchtungen begreiflich, ebenso die unterschiedlichen Wuchs-¬ und Kronenformen – eine außergewöhnliche Zusammenschau der hiesigen und weltweiten Obstvielfalt.

Im März konnten in Döllingen noch drei der begehrten Freiluft-Seminare zum Thema Obstbaumschnitt und ein Praxisnachmittag zur Obstbaumveredelung realisiert werden. Wenn aufgrund des Abstandsgebots auch nur wenige Teilnehmer*innen dabei sein konnten, freute sich der Kerngehäuse e.V., das für die Pflege fruchtiger Hausgärten und Streuobstwiesen erforderliche Grundwissen weitergeben zu können.

Wenn auf die Durchführung auch kleinerer Besucherveranstaltungen im Pomologischen Schau- und Lehrgarten noch bis mindestens zur Kirscherntezeit im Juni zu warten sein wird, bietet der Naturpark schon heute wertvolle Ziele für die Erholung und das Naturerleben – zum Beispiel in der erst kürzlich zum Immateriellen Kulturerbe ernannten Streuobstlandschaft.

Die auf Initiative des Hochstamm Deutschland e.V. erfolgte Anerkennung des Streuobstanbaus als Immaterielles Kulturerbe durch die Deutsche UNESCO-Kommission möchte das Thema, wie auch der in diesem Jahr am 30. April erstmals begangene Internationale Tag der Streuobstwiesen, fest im öffentlichen Bewusstsein verankern.

Für die selbständige Erkundung der Streuobstblütenpracht im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft empfiehlt sich der Besuch der Bürgerwiese. Die für jeden und jederzeit begehbare Streuobstwiese mit ihrem neuen Holzpavillon versteht sich als ganzjähriges Angebot für Besucher*innen, die blütenreichen Zentren der Artenvielfalt bei einem Spaziergang oder einer Radtour zu entdecken und zu genießen.

Traditionelle und heutige Bewirtschaftung in der Streuobstregion

Früher rumorten in der Niederlausitzer Streuobstlandschaft bis kurz vor der Süßkirschernte die Motoren von Kleinflugzeugen. Großräumig ausgebrachte Pestizide aus der Luft dezimierten Kirschfruchtfliege und Pilzbefall durch Monilia. Als ökologisch können die vergangenen Hochzeiten des hiesigen Streuobstbaus - trotz des auf historischen Fotos anmutenden Idylls - daher nur bedingt bezeichnet werden.

Die Jahreserträge der historischen Kirschäcker, mit Erdbeeren in der Unternutzung, erreichten in Spitzenzeiten 3 000 Tonnen und wurden als Tafelobst bis nach Chemnitz vermarktet. Durch den lukrativen Abnahmepreis lohnte sich die harte Arbeit und bot vielen Familien ein beachtliches Nebeneinkommen.

Heute läuft dem Streuobstanbau der industrielle Intensivobstbau den Rang ab. Das so gewonnene kostengünstige Obst erfordert jedoch immer resistentere Züchtungen und erheblichen Einsatz von Pflanzschutzmitteln. Für die Artenvielfalt ist das schlecht. Um Obstanbau und Artenvielfalt besser zusammenzubringen, braucht es, neben gutem Willen und Nachfrage nach regionalen Produkten, Förderprogramme wie die vom Land Brandenburg geförderte Kompetenzstelle Streuobst.

Seit 2019 laden der Kerngehäuse e.V., die Mineralquellen Bad Liebenwerda GmbH und die Naturparkverwaltung Streuobstinteressierte und Erholungsuchende dazu ein, die Blütenpracht auf der Bürgerwiese zu bewundern und in die im Jahresverlauf reifenden Früchte zu probieren. Denn Streuobstwiesen bieten auch Tieren und Pflanzen nur dann einen wertvollen Lebensraum, wenn Menschen sie nutzen, sprich hegen, pflegen, beernten und genießen.

Wer die Streuobstwiese, mit ihren über 5 000 Tier- und Pflanzenarten, genießen, deren Früchte naschen und sein Eigen nennen darf, so die Idee hinter dem Projekt, wird sie mit Respekt behandeln und für die Zukunft erhalten wollen.

Für etwas blütenfestliche Stimmung in den eigenen vier Wänden können online einige Produkte aus dem fruchtigen Projektverbund bestellt und die Bemühungen zum Erhalt der Streuobstlandschaft im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft finanziell unterstützt werden: www.essbarer-naturpark.de/streuobstprodukte.

Im Text verwendete URLs:

Streuobstprojekt Pomologischer Schau- und Lehrgarten: https://essbarer-naturpark.de/pomologischer-garten/

Seminare: https://essbarer-naturpark.de/anmelden/

Bürgerwiese: https://www.essbarer-naturpark.de/buergerwiese

Streuobstprodukte: https://www.essbarer-naturpark.de/streuobstprodukte

Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen Unesco-Kommission Kulturerbe: https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/streuobstanbau

Internationaler Tag der Streuobstwiesen Österreichischer Umweltdachverband: https://www.umweltdachverband.at/inhalt/tag-der-streuobstwiese?ref=

Österreichische ARGE Streuobst (AT): https://argestreuobst.at/

Gebiet

  • Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft

Meldung vom 27.04.2021